Ein Mann, ein silberner Chevrolet und die flirrenden Nächte von Los Angeles: Mit Drive schuf Regisseur Nicolas Winding Refn einen außergewöhnlichen Thriller, der sich Zeit für seine Bilder nimmt und dann mit voller Wucht zuschlägt. Ryan Gosling spielt einen wortkargen Fahrer, dessen Leben zwischen Filmset, Werkstatt und kriminellen Aufträgen aus dem Takt gerät.
Ein Fahrer mit zwei Jobs
Tagsüber arbeitet der namenlose Driver als Stuntfahrer in Hollywood. Nachts stellt er sein Können als Fluchtwagenfahrer für Überfälle zur Verfügung. Er folgt dabei einer einfachen Regel: Er wartet, fährt und stellt keine Fragen. In einer Werkstatt findet er bei Mechaniker Shannon (Bryan Cranston) einen Vertrauten und gelegentlich auch neue Aufträge.
Als Driver seine Nachbarin Irene (Carey Mulligan) und ihren kleinen Sohn Benicio (Kaden Leos) kennenlernt, öffnet sich für ihn die Aussicht auf ein ruhigeres Leben. Doch Irenes Mann Standard (Oscar Isaac) kehrt aus dem Gefängnis zurück und gerät unter Druck. Driver will helfen – und lässt sich auf einen Überfall ein, dessen Folgen er nicht mehr kontrollieren kann.
Stilvoll, still und plötzlich brutal
Drive erzählt seine Geschichte mit ungewöhnlicher Ruhe. Lange Blicke, nächtliche Straßen und die zurückhaltende elektronische Musik von Cliff Martinez geben dem Film einen fast hypnotischen Rhythmus. Ryan Gosling sagt als Driver oft wenig; seine Mimik und die sorgfältig gesetzten Gesten tragen dafür umso mehr. Wenn die Gewalt ausbricht, wirkt sie gerade deshalb so heftig: Der Film kündigt sie nicht mit permanentem Getöse an.
Auch die Nebenrollen prägen die Stimmung. Bryan Cranston spielt Shannon als geschäftstüchtigen, aber loyalen Werkstattbesitzer. Albert Brooks überrascht als Gangster Bernie Rose mit einer kontrollierten, bedrohlichen Präsenz. Ron Perlman ergänzt das kriminelle Umfeld als Nino. Nicolas Winding Refn verbindet so einen geradlinigen Gangsterstoff mit der Ästhetik eines modernen Film noir.
Besetzung
| Rolle | Schauspieler |
|---|---|
| Driver | Ryan Gosling |
| Irene | Carey Mulligan |
| Shannon | Bryan Cranston |
| Bernie Rose | Albert Brooks |
| Standard | Oscar Isaac |
| Nino | Ron Perlman |
Ein Thriller, der lange nachhallt
Drive ist kein gewöhnlicher Actionfilm mit pausenlosen Verfolgungsjagden. Der Film setzt auf Atmosphäre, starke Kontraste und einen Hauptdarsteller, der selbst in stillen Momenten Spannung erzeugt. Gerade diese Mischung aus melancholischer Zurückhaltung und kompromissloser Härte macht ihn so eigenständig. Wer stilisierte Großstadtthriller und markante Filmsoundtracks mag, sollte sich diese Fahrt durch das nächtliche Los Angeles nicht entgehen lassen.
Filmdaten
- Originaltitel: Drive
- Erscheinungsjahr: 2011 (deutscher Kinostart: 2011)
- Genre: Thriller, Krimi, Drama
- Regie: Nicolas Winding Refn
- Drehbuch: Hossein Amini, nach dem Roman von James Sallis
- Musik: Cliff Martinez
- Laufzeit: rund 100 Minuten
Stimmen zum Film
- The Guardian: Die Kritik lobt die starke Bildsprache und den trockenen Galgenhumor, hebt aber auch den abrupten Umschlag in extreme Gewalt hervor. Zur Rezension bei The Guardian
- RogerEbert.com: Roger Ebert hebt hervor, wie viel Leben die Nebenfiguren mitbringen und wie der wortkarge Driver dazu einen bewussten Gegenpol bildet. Zur Rezension bei RogerEbert.com
- Filmdienst: Filmdienst sieht einen souverän inszenierten Neo-Noir, der ältere Gangsterfilme leidenschaftlich aufgreift und seine Genreversatzstücke kunstvoll neu arrangiert. Zur Rezension bei Filmdienst
- FILMSTARTS: Die Redaktion beschreibt „Drive“ als stilbewussten, existenzialistischen Actionfilm und betont, dass hinter der vertrauten Gangsterhandlung mehr gedankliche Tiefe steckt, als zunächst sichtbar ist. Zur Rezension bei FILMSTARTS
- Los Angeles Times: Kenneth Turan würdigt die neonhelle, visuell markante Noir-Atmosphäre, steht der Verbindung aus klassischer Noir-Mythologie und moderner Gewalt aber gemischt gegenüber. Zur Rezension bei Los Angeles Times



