Ein halbes Jahr nach dem deutschen Kinostart steht fest: Keine Zeit zu sterben ist nicht einfach der nächste Einsatz für Daniel Craig, sondern der Abschluss seiner fünf Filme umfassenden Bond-Ära. Der Film nimmt sich Zeit für diesen Abschied. Er beginnt mit einem Agenten, der den Dienst hinter sich gelassen hat, und führt ihn Schritt für Schritt zurück in eine Welt, in der persönliche Bindungen und globale Gefahren kaum voneinander zu trennen sind.
Ein Ruhestand, der nicht lange hält
Bond lebt zunächst zurückgezogen auf Jamaika. Die Ruhe endet, als sein alter Freund Felix Leiter (Jeffrey Wright) ihn um Hilfe bittet: Ein Wissenschaftler ist entführt worden, und die Mission führt zu einer Bedrohung mit gefährlicher neuer Technologie. Die Suche bringt Bond mit Safin (Rami Malek) zusammen und erneut mit Madeleine Swann (Léa Seydoux), deren Vergangenheit eng mit dem Fall verbunden ist.
Im MI6 hat sich währenddessen einiges verändert. Nomi (Lashana Lynch) trägt inzwischen die Nummer 007, während M (Ralph Fiennes), Q (Ben Whishaw) und Moneypenny (Naomie Harris) weiterhin zum vertrauten Team gehören. Ana de Armas hinterlässt als Paloma in einem kurzen, energiegeladenen Einsatz einen starken Eindruck. Cary Joji Fukunaga inszeniert den Film als Mischung aus Spionagegeschichte, Actionabenteuer und Familiendrama.
James Bond: Keine Zeit zu sterben (Finaler Trailer)
Großes Kino mit persönlichem Kern
Die Schauplätze reichen von Jamaika über Norwegen und Kuba bis nach Europa. Dazu kommen Verfolgungsjagden, Schusswechsel und der Aston Martin, der noch einmal mit viel Selbstbewusstsein eingesetzt wird. Hans Zimmers Musik greift Motive der Reihe auf und verbindet sie mit einem eigenen, emotionalen Ton. Billie Eilishs Titelsong passt mit seiner zurückgenommenen Spannung zur Geschichte eines Agenten, der die Folgen seines Berufs nicht länger von seinem Privatleben trennen kann.
Mit rund 163 Minuten ist Keine Zeit zu sterben der längste Bond-Film bis dahin. Das gibt den Figuren Raum, sorgt aber auch für einen ausgedehnten Mittelteil und mehrere Wechsel zwischen Action und Erklärungen. Rami Maleks Safin bleibt in seiner Ausgestaltung bewusst rätselhaft; stärker als eine ausladende Schurkenbiografie trägt die emotionale Verbindung zwischen Bond und Madeleine den Film.
Ein Ende, das Craigs Ära ernst nimmt
Die Craig-Filme haben über fünf Einsätze hinweg eine fortlaufende Geschichte erzählt. Casino Royale stellte Bond neu vor, Ein Quantum Trost setzte unmittelbar an, Skyfall stellte seine Loyalität auf die Probe, und Spectre zog frühere Ereignisse zusammen. Der letzte Film greift diese Entwicklung auf und fragt, was ein Leben als 007 kostet – und welche Verantwortung Bond gegenüber den Menschen trägt, die ihm nahekommen.
Das Finale macht deutlich, dass dieser Abschied nicht auf einen unverbindlichen Neustart zielt. Darin liegt der Mut des Films und zugleich der Grund, weshalb er die Reihe spaltet: Er gibt Craig einen konsequenten Schlusspunkt, anstatt die Figur einfach wieder an den Ausgangspunkt zu setzen. Für eine Serie, die sonst gern mit dem nächsten Auftrag endet, ist das eine bemerkenswert persönliche Entscheidung.
Besetzung
| Rolle | Schauspieler |
|---|---|
| James Bond | Daniel Craig |
| Madeleine Swann | Léa Seydoux |
| Nomi | Lashana Lynch |
| Lyutsifer Safin | Rami Malek |
| Paloma | Ana de Armas |
| Q | Ben Whishaw |
| M / Gareth Mallory | Ralph Fiennes |
Fazit
Keine Zeit zu sterben liefert den großen Bond-Abschied, den Daniel Craigs Darstellung vorbereitet hat: emotional, aufwendig und mit spürbarem Gewicht. Nicht jede Nebenhandlung erhält gleich viel Tiefe, doch der Film bündelt die zentralen Themen dieser Ära und gibt ihnen einen klaren Abschluss. Sechs Monate nach dem Kinostart bleibt vor allem ein Bond-Abenteuer in Erinnerung, das sich traut, seine Hauptfigur wirklich loszulassen.
